So, ich war also wie angeküdigt bei La Rentrée, der Einführungsveranstaltung dieser Uni für alle Neuenkömmlinge. Als erstes wurden wir alle aus dem Fachbereich Science Humaine vom Doyen begrüßt. Das fing schon mal gut an, weil der gute Mann leider nur selten direkt in sein Mikro gesprochen hat. Na, und dann war das die erste große Herausforderung auf québécois. Aber, da er uns nur den Aufbau der Uni und des Fachbereichs vorgestellt hat, hielt sich das Unverständnis meinerseits in Grenzen. ;-) Kati erlitt das gleiche Schicksal wie ich - sie saß neben mir und hatte genauso viel Spaß wie ich an der Rede. Immerhin, wir wurden sehr anstädnig begrüßt.
Danach gab es dann eine Führung durch den unterirdischen Teil der Uni. Ich hatte mich ja dort auch schon umgesehen und von daher werde ich mich dort wohl nicht verlaufen. ;-) Verpasst hätte man allerdings auch nichts bei La Rentrée, wenn man mit Abwesenheit geglänzt hätte. Aber das konnte ich ja vorher nicht ahnen. Wie dem auch sei, ein weiterer Punkt meiner To-Do-Liste ist abgehakt. ;-)
Abends habe ich mir dann mit Kati und Rafael, meinem französischen Mitbewohner, einen Film von Truffaut angesehen - wie immer open air. Es war sehr nett und meine Hoffnungen erfüllen sich, dass ich hier auch Franzosen kennen lernen werde. Es ist unglaublich, aber die meisten Austauschstudenten sind??? Genau, Franzosen. Also, keine Bange, es besteht noch Hoffnung, dass ich hinterher nicht nur québécois und ein bisschen belgisch rede. ;-)
Tags darauf bin ich mit Odile zu den beiden vorgelagerten Inseln Ile Ste-Hélène und Ile Notre Dame gefahren; man kann per Metro auf erstere fahren und dann auf die zweite 'rüberlaufen. Es war sehr schön und wir haben die erste Hälfte der ersten erlaufen; unter anderem waren wir IN der Sphäre und auf der zweiten sind wir eine Weile auf dem Circuit Gilles-Villeneuve gelaufen und entlang des Bassin d'Aviron. Dann haben wir ein Päuschen gemacht und ich habe den ersten "chien chaud" gesehen; ich dachte immer das sei ein schlechter Witz, aber nein, es existiert tatsächlich!
Auf dem Weg habe ich auch ein wenig belgisch gelernt. Wer kann mir sagen, wer oder was eine cocoteuse, eine cotte und ein stüüt ist? Also, eine cocoteuse = collocatrice, une cotte = l'app. où on vit avec ses collocateurs und ein stüüt = qch. qui ne va pas. ;-) Ihr seht, ich bilde mich weiter und fange auch bald der Bequemlichkeit halber an mit septante und nonante zu zählen. ;-)
Ja, und gestern war ich mit Odile im Jardin Botanique. Da wir nicht wussten, wann der Park schließt, haben wir einen der Minibahnfahrer gefragt. Er kommt aus Portugal und hat uns erklärt, welchen Weg wir am Besten durch den Park nehmen, damit wir alles Wichtige sehen und nichts vergessen. Nicht dass uns hinterher jemand fragt: Ah, du warst im botanischen Garten, hast du denn auch ... gesehen? und wir verneinen müssen. ;-) Er war wirklich sehr um uns besorgt und fragt jedesmal, wenn er an uns vorbeifuhr, ob denn auch alles zu unserer Zufriedenheit sei.
Für alle Blumenliebhaber, es lohnt sich einen Blick in das zugehörige Album zu werfen. ;-) Der Garten ist wirklich unglaublich groß und beherbergt unter anderem den größten chinesischen Garten außerhalb Chinas. Ich habe hier auch zum ersten Mal einen Steingarten gesehen. Der japanische Garten ist wie der chinesische sehr schön, doch es lohnt sich auch bis ans andere Ende des Parks zu laufen oder fahren und sich die nordamerikanischen Bonsais anzusehen. Es ist ja unglaublich, wie alt die zum Teil sind. Der älteste, den sie je hatten, ist mit 600 Jahren gestorben.
Der Park ist wirklich unglaublich schön mit den verschiedensten Sorten Pflanzen und Teichen. Es gibt auch einen kleinen Rundgang, bei dem man die Pflanzen erfühlen und beschnuppern darf. Natürlich findet man hier alle Kräuter, aber auch Pflanzen mit überaus witzigen Namen, etwa dem oreille de chèvre (Ziegenohr) oder dem queue d'écureuil (Eichhörnchenschwanz). Ja, Eichhörnchen gibt es auch dort wie Sand am Meer. ;-)
Als wir dann abends mit der Metro zurückfahren wollten, musste sich Odile noch eine Fahrkarte kaufen. Der zuständige Mensch war aber gerade nicht da, dafür zwei Polzisten. So etwas habe ich auch noch nicht erlebt, sie waren wirklich sehr entgegenkommend und sagten nur, na, dann fahrt jetzt mal so und bei der nächsten Gelegenheit kauft ihr euch dann ein Ticket. Das nenne ich mal sympathisch!
Von der ganzen Lauferei war ich so erschlagen, dass ich gestern Abend mal einfach nichts mehr gemacht habe (doch für euch die Bilder ins Netz gestellt samt Kommentar) und dann ins Bett gefallen bin. Mal sehen, was ich heute machen werde...
A tantôt.
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